Landleben mit Slow-Motion-Internet

Das schöne, ruhige Leben auf dem Lande ist so manchen Bewohner etwas zu beschaulich – denn auch die Internetverbindung enspricht dem dörflichen Tempo. Denn so groß in Gemeinden wie Hofbieber, Waldstetten oder Seht der Wunsch nach DSL-Verbindungen ist, so mangelhaft ist in den ländlichen Regionen die Versorgung mit mit dem High-Speed-Internet.

Die internetverbindung in Waldstetten und anderen Gemeinden als Datenautobahn zu bezeichnen, wäre so auch stark übertrieben. Allenfalls ein Schleichweg ist es, der dort ins World Wide Web führt. Marcus Schafft, Bürgermeister der osthessischen Gemeinde Hofbieber, wartet beim Googeln nicht selten mehr als eine Minute auf die Treffer. Will er größere Datenmengen per E-Mail übertragen, muss er dafür in die nächstgrößere Gemeinde fahren.

Vorraussetzung für das Surfen mit DSL-Geschwindigkeit ist ein Glasfaser-Knotenpunkt in der Nähe. Die liegen jedoch hauptsächlich in der Nähe von Städten – je kleiner und dünner gesäht also die Ortschaften sind, desto schlechter ist es um die Internetverbindung bestellt. Abhilfe schaffen wollen viele Gemeinden in ganz Deutschland. Allein können sie die Kosten von mehreren hunderttausend Euro, die die Telekom für die Verlegung der Leitungen fordert, nicht aufbringen.

In ganz Deutchland? Nein! Die kleine schwäbische Gemeinde Waldstetten wollte sich den Bedingungen nicht ergeben. Und so beschlossen die Bewohner, dass sie die Graben für die Kabel auch selber ausheben könnten. 90.000 Euro konnten so von der Rechnung gestrichen werden. Die Telekom ließ sich von soviel Engagement beeindrucken und machte das Angebot, den Restbetrag von 110.000 Euro zu übernehmen. Voraussetzung war, dass 115 DSL-Verträge abgeschlossen würden. Zum Erreichen des Ziels fehlen nur noch 25 Verträge – die Datenautobahn kann also bald auch von den Waldstettenern befahren werden.

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